Exkursion, Academy of Fine Arts, Vienna

Diploma exhibition, Akademie der bildenden Künste Wien, April 2017

Die Biennale Venedig ist der Anfang der modernen Mega-Ausstellung als Tourismusfaktor. Gegründet, um stagnierenden Tourismuszahlen zu begegnen und die italienische Kunst international zu verankern, platzte der Palazzo delle Esposizioni schon bald aus allen Nähten. Die ersten Staaten begannen, ihre eigenen Pavillons auf dem Gelände der Giardini zu errichten, um mehr Platz für Ausstellungen und Autonomie gegenüber der italienisch dominierten Jury des Palazzo zu gewinnen.

Bis dahin hatten Gebäude, die den Namen Pavillon trugen, meist keinen besonderen Nutzen, sondern dienten vielmehr als Follies, als gestalterische Elemente im Park- oder Gartenbau. Durch die Errichtung der Pavillons als Ausstellungsräume bekamen diese eine Funktion und die Kunst wurde zum Folly, zur Dekoration auf einem Spaziergang.

Ich biete hier eine Tour an, eine Rundfahrt. Aber ohne Unterhaltungsprogramm.

Das hier gezeigte Heck eines Schiffes könnte von einem venezianischen Vaporetto oder einem Ausflugsschiff sein. Die Bauform mit offenem Deck hinten ist für eine rein verkehrliche Nutzung nicht unbedingt praktisch, man ist den Elementen ziemlich ungeschützt ausgesetzt. Das deutet auf einen vorwiegend touristischen Nutzungszweck hin. Der Abschluss zum Innenraum wird mit Bildern nachempfunden. Malerei und Fotografie werden also zum Baumaterial für die Installation degradiert. Arbeiten anderer Künstler_innen werden als Textur herangezogen. Der Lack ist dick und nicht gerade sauber aufgetragen, entsprechend der Gepflogenheiten im Schiffbau. Die saloppen Zitate der Formensprache der 1950er und 1960er Jahre sind weniger als Kritik an der klassischen Moderne (bzw. “Selbstkritik der Moderne”) zu lesen, sondern reflektieren die zeitgenössische Obsession mit “Vintage” und “Shabby Chic”. Überhaupt scheint der Bann des Fake ungebrochen – zwischen hipster-ironischer Totaldistanzierung und einem permanenten Verlangen nach ständiger Hyperauthentizität bietet sich hier wohl ein angenehmer Ausweg.

Die einzige Arbeit, die frei im Raum steht, ist eine kleinere Skulptur. In ihrer Positionierung und Form kann sie die Rolle einer freistehenden Skulptur im Raum spielen, quasi als generischer Prototyp. Sie ist aber auch eine Nachbildung eines Doppelpollers; legt man eine Leine ein paar mal hier herum, ist das Wasserfahrzeug festgemacht. Wobei das in diesem Fall mangels Befestigung und bei einem Gewicht von etwa 1 kg nicht funktionieren wird.

Zwei Boxen hängen an der gegenüberliegenden Wand, eine spielt einen Film. Man befindet sich auf einem Schiff, während die Ausstellungspavillons am Ufer vorbei ziehen.


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